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ELKE KRYSTUFEK: NEIN© Katharina Meißnitzer (02.06.09)
Texte einer feministischen Künstlerin
Elke Krystufek ist durch ihre radikalen Körperinszenierungen zu einer der bekanntesten Künstlerinnen der Gegenwart geworden. In ihrem ersten Buch mit dem Titel “Nein” werden Hierarchien des Kunstbetriebes und die Situation von Künstlerinnen hinterfragt.
EIN erschien im Rahmen der Ausstellung “Elke Krystufek: für das Glück zuständig” im Steirischen Herbst 2008. Herausgegeben wurde das, wie von Krystufek betont wird, kaum lektorierte Buch, von Christine Frisinghelli. Ein Kosmos bestehend aus Textfragmenten, Filmdialogen, Bild- und Fotoarbeiten der Künstlerin.
“The text ate the painting” Elke Krystufek beschreibt sich als begeisterte Leserin, nicht als Theoretikerin. Sprache wird in ihren Arbeiten immer wichtiger. Über beinahe zwei Jahrzehnte zu einer Expertin für sexuelle Repräsentation ernannt, sagt sie heute “Nein” zu Einladungen bekannter und wichtiger Kollegen. “Nein” zum Arbeitsverhältnis mit ihrem langjährigen Galeristen, den sie sogar namentlich nennt. “Nein” zu den Zwängen und Vereinnahmungsversuchen der Umwelt, sei es im privaten als auch im beruflichen Bereich.
“Am I a national leader as one of the most frequently photographed vaginas in recent art history?” Es begann Anfang der 90er Jahre mit ihrer ersten Performance “Aktion”, die Krystufek als Studentin durchführte: Sie bemalte ihren Körper und fügte ihm Schnitte zu. Dieser “Körper” Auftritt provozierte einen Skandal, der sie bekannt machte. Schon mit Anfang Zwanzig bekam sie eine Einzelausstellung. Krystufek beschäftige sich jahrelang gleichermaßen exzessiv wie erfolgreich mit der Darstellung des eigenen - oft auch nackten - Körpers. “Nackt und mobil” war der Titel einer Ausstellung in der Kunstsammlung Essl im Jahr 2003, der den ironischen Zugang vieler Arbeiten von Elke Krystufek deutlich macht. Neben Performances entstanden zahlreiche Selbstporträts, in Form von Collagen und Installationen, in denen ihr Körper als Projektionsfläche für gesellschaftliche und kulturelle Codes und Botschaften funktionierte:
“Ich glaube, dass die Art und Weise, wie ich meinen Körper darstelle, auch die Erfahrung zeigt, die mein Körper in der Gesellschaft gemacht hat, wie die Gesellschaft mit meinem Körper und dem weiblichen Körper im Allgemeinen umgeht.”
sagt Krystufek in einem Interview. (Scheinbar) biographische Hintergründe waren Teil ihrer Arbeit, wie die Demonstration von Grenzüberschreitungen und Verletzungen. Auch heute bekommt Krystufek noch immer Einladungen zu Symposien über Körper/Sexualität, im Gegensatz dazu gibt es keine Einladungen zu Symposien über das Malen. Die starke Verknüpfung der Person Elke Krystufek mit ihrem Darstellungsmittel Körper, hat Schubladisierungen zur Folge.
Biographien von erfolgreichen Künstlerinnen sind in der Kunstgeschichte selten. Die Ahnreihe der verkannten, erfolglosen und vergessenen Künstlerinnen ist wesentlich länger. Elke Krystufek blickt auf ihre “Ansisters” und malt an dieser Stelle Marguerite Duras und Katherine Mansfield. Als jung erfolgreich gewordene Künstlerin ist sie noch immer eine Ausnahmeerscheinung, und sich dieser Rolle auch bewusst.
Zwei aktuelle Projekte gehen in neue Richtungen: “The Wall of Silence with the door to the best kept secret” wird sich mit dem Thema “Park” als globaler Frauen-Angstraum befassen. Für den Österreich Pavillon der Biennale in Venedig 2009 erarbeitete Krystufek Bilder über den “female gaze at the male or unmale man”. Denn zum erotischen Blick der heterosexuellen Frau auf den heterosexuellen Mann sind in der Kunstgeschichte kaum (Leit)bilder zu finden. Wir dürfen gespannt sein!
“Nein” ist ein vielschichtiges Werk, voller Spiel mit Sprache und Zitaten. Die feministische Grundhaltung sowie die kritischen Ansätze der Autorin sind deutlich, stellenweise bleibt die Publikation allerdings, wie die Autorin im Schlusswort selbst sagt “elegant - und ein bisschen unantastbar”.
www.elkekrystufek.com
 Elke Krystufek NEIN
herausgegeben von Christine Frisinghelli Edition Camera Austria, 2008 192 Seiten, broschiert € 18,00 ISBN: 978-3-900508-73-9
Buch bestellen (bei Berta - Bücher und Produkte, Graz)
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