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GEWALTLOS 3/2009© Autonome Österr. Frauenhäuser (31.12.09)
Newsletter der Informationsstelle gegen Gewalt
Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser gibt vierteljährlich den Newsletter »Gewaltlos« heraus. Darin wird über Gesetzesänderungen, Kampagnen und die aktuelle Lage von Opferschutzeinrichtungen berichtet.
Wieder einmal müssen wir um den Weiterbestand eines österreichischen Frauenhauses zittern. Das Frauenhaus Hallein, das vor mittlerweile 18 Jahren als Haus Mirjam seinen Betrieb aufgenommen hat, ist für Frauen im Tennengau die einzige Anlaufstelle, wenn sie zuhause misshandelt oder bedroht werden. Eine gute Versorgung mit Frauenhäusern auch in ländlichen Gebieten zeichnet unser Land als modernen Sozialstaat aus und ist eine Errungenschaft, die wir nicht so leicht aufs Spiel setzen dürfen. Bitte helfen Sie den Frauen im Tennengau! Setzen Sie sich mit uns gemeinsam dafür ein, dass das Frauenhaus in Hallein erhalten bleibt! Neben der angekündigten Schließung des Halleiner Frauenhauses sieht sich auch das Frauenhaus in der Stadt Salzburg mit massiven Einsparungsforderungen seitens des Landes konfrontiert. Wir dürfen nicht zulassen, dass Frauenhäuser kaputt gespart werden.
Gewaltfreie Feiertage wünschen die Herausgeberinnen (aus dem Editorial)
Gewaltlos 3/2009
- Situation der Frauenhäuser in Salzburg alarmierend
Das Frauenhaus Hallein soll 2011 zusperren, in der Stadt Salzburg müssen ab kommendem Jahr 15 Prozent eingespart werden. Mit diesen Katastrophenmeldungen seitens der Landesregierung sehen sich die Mitarbeiterinnen der beiden Einrichtungen derzeit konfrontiert. Begründet wird dieser radikale Schritt von Salzburgs Landeshauptfrau mit notwendigen Einsparungsmaßnahmen und dem Argument, die Frauen aus der Region Hallein (Tennengau) könnten ja auch im Salzburger Frauenhaus Schutz und Hilfe bekommen. An dieser Stelle sehen wir uns veranlasst, Aufklärungsarbeit zu leisten: Im Bundesland Salzburg gibt es derzeit drei Frauenhäuser (Stadt Salzburg, Hallein und Saalfelden), die zusammen 32 Plätze für Frauen in Not anbieten können. Sollte das Frauenhaus in Hallein tatsächlich zusperren müssen, würde sich die Anzahl der Plätze auf 24 reduzieren. Außerdem ist es vielen Frauen aus der Region nicht zuzumuten, ihren Lebensmittelpunkt in die Stadt Salzburg zu verlagern. Auch bei den Budgetkürzungen geht es nicht nur um Zahlen, sondern um menschliche Schicksale. Immerhin machen die angekündigten 15 Prozent rund 100.000 Euro aus oder beinahe drei Dienstposten und rund 100 Beratungsstunden weniger. Das sind weniger Stunden als im alten Salzburger Frauenhaus bei 50 Prozent mehr Wohneinheiten. Frauenhäuser sind regionale Nahversorgerinnen für die Gesellschaft und unverzichtbarer Bestandteil des sozialen Netzwerks. Sie sind ein Aushängeschild für die soziale Versorung in unserem Land und es darf nicht sein, dass nach 31 Jahren engagierter Arbeit zum ersten Mal ein Frauenhaus zusperren muss.
Petition: www.frauenhaus-hallein-muss-bleiben.at
- Beredtes Schweigen
Silent Witnesses-Kampagne zum Thema Frauenmorde
Ein Donnerstag im September, Technische Universität Wien: In der Eingangshalle herrscht reger Betrieb, zahlreiche Leute sind in dem weitläufigen Universitätsgebäude unterwegs. Im Eingangsbereich ist allerdings etwas anders als sonst: In der hinteren Ecke stehen leuchtendrote Figuren. Viele, die durch die Halle gehen, werden von den lebensgroßen Figuren angezogen, bleiben stehen und sehen sich die Holzmodelle, die Shilouetten von Frauen nachempfunden sind, näher an: Sie kommen mit dem stummen Zeuginnen in Kontakt. Beim ersten Auftritt der Silent Witnesses-Figuren in Österreich im Rahmen der WAVE Konferenz 2009 waren 15 Figuren zu sehen. Auf der Vorderseite hatten sie einen Zettel, der in wenigen Worten versucht, ihre Lebensgeschichte wiederzugeben: Name (anonymisiert), Alter, Kinder, ein Satz, eine Bemerkung, die aus der Holzfigur eine lebendige Person machen soll. Diese Frauen wurden in den vergangenen Jahren (2000 bis 2008) in Österreich umgebracht. Beinahe alle von ihnen befanden sich in der Phase der Trennung oder Scheidung. Die Mörder waren ihre ehemaligen Ehemänner oder Partner. Die Silent Witnesses-Kampagne soll auf die erschreckende Tatsache hinweisen, dass in Österreich jedes Jahr 30 bis 40 Frauen von ihren (Ex-)Partnern ermordet werden. Sie ist aber auch ein Lobbying-Instrument, denn es fehlt nicht nur an der Einsicht der Behörden, dass Frauen besser geschützt werden müssen, sondern auch an Zahlenmaterial, um sich mit diesem Problem ernsthaft auseinander zu setzen. Deshalb sollen die Silent Witnesses-Figuren ab dem nächstem Jahr als Wanderausstellung auf Reisen gehen.
Informationen: Mag.a Daniela Almer
- Klappe auf für einen Blick hinter die Fassade
16 Tage gegen Gewalt mit zahlreichen Aktionen in ganz Österreich
Klappe auf! hat es von 25. November bis 10. Dezember 2009 im Internet auf dieStandard.at geheißen. Im Rahmen der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen wurden auf der Internetseite sechs verschiedene Videobeiträge zum Thema Gewalt an Frauen gezeigt. Die erste Klappe hat sich mit der Situation von Kindern befasst, die Gewalt an ihrer Mutter miterleben: Der Videoclip »Kind spielt« wurde von Elias Wolf, Harald Günther, Clara Primschitz und Antonia Csuk mit Unterstützung der Film- und Medienakademie Graz entwickelt und umgesetzt und ist einer von zwölf Beiträgen von Miss Handelt! Public Video Project. »Kind spielt« war der Beitrag des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser zum Medienprojekt Klappe auf!, an dem außerdem CARE Österreich, Frauensolidarität, LEFÖ, Miteinander Lernen und WIDE Women in Development Europe beteiligt waren.
Hinter der Fassade
Einen Blick hinter die Fassade der vermeintlich heilen Familie konnten im Rahmen der 16 Tage auch heuer wieder zahlreiche SchülerInnen und interessierte Erwachsene werfen. Die Ausstellung mit dem gleichnamigen Titel wurde erstmals im Wiener Juridicum gezeigt. Ein symbolischer Ort um die wichtige Rolle der Justiz bei der Prävention von Gewalt und im Opferschutz zu unterstreichen. Die 16 Tage gegen Gewalt an Frauen 2009 zeichneten sich durch eine Vielzahl von Aktivitäten in ganz Österreich aus: Fahnenaktion, Info-Stände, Podiumsdiskussionen, Filmpräsentationen und vieles mehr. Wir bedanken uns bei allen, die sich beteiligt haben und stehen für Anregungen und Informationen gerne zur Verfügung.
16 Tage im Internet: www.aoef.at
- Miss Handelt! Public Video Project
Miss Handelt! ist ein österreichweites Präventionsprojekt zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt von und für junge Erwachsene. In der ersten Phase haben junge angehende Filmschaffende aus ganz Österreich unter der Anleitung von Elisabeth Scharang, Regisseurin und Drehbuchautorin und Robert Buchschwenter, Filmwissenschafter Drehbücher entwickelt. Unterstützt wurden sie dabei auch von den Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser in allen Bundesländern, die alle an dem Projekt mitgearbeitet haben. Über den Sommer wurden die Clips produziert. Das Ergebnis: Zwölf Videobeiträge, die Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt aus unterschiedlichen Perspektiven ansprechen. Begleitend zu den Beiträgen ist ein Buch entstanden, in dem die Aussagen der Videoclips von Daniela Almer, Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser und Gerhard Meschnigg, White Ribbon Österreich, diskutiert werden. Romeo Bissuti, klinischer Psychologe und Leiter des Männergesundheitszentrums MEN hat speziell für den schulischen und außerschulischen Bildungsbereich Arbeitsblätter gestaltet. Miss Handelt! Public Video Project - DVD mit begleitendem Buch bietet die Möglichkeit das Thema Gewalt in engen sozialen Beziehungen im Bildungskontext zu Sprache zu bringen.
Information: www.medienkulturhaus.at
- EU-Jahr gegen Armut
2010 wurde von der Europäischen Union zum »Jahr gegen Armut und Ausgrenzung« erklärt. Frauen, die von ihrem Ehemann/Partner misshandelt und bedroht werden, haben ein besonders hohes Armutsrisiko. Der Ausstieg aus einer Gewaltbeziehung bedeutet für manche Frauen mit Kindern ein neues Leben als Alleinerzieherin. Diese Personnengruppe hat das höchste Risiko, in die Armutsfalle zu gleiten. Aus diesem Grund wird der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser Workshops und Informationsveranstaltungen in Unternehmen anbieten. Finanziert wird die Workshopreihe vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz.
- 30 Jahre CEDAW
Die UN-Frauenrechtskonvention (Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women - CEDAW) als bedeutendste internationale Rechtsgrundlage für die Durchsetzung der Rechte von Frauen wurde vor 30 Jahren von der Generalversammlung der Vereinten Nationen angenommen und vor 27 Jahren von Österreich ratifiziert. Aus diesem Anlass hat im November ein Festakt im Bundeskanzleramt stattgefunden. Die Obfrau des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser Rosa Logar hat in diesem Rahmen einen Vortrag über die zwei österreichischen Individualbeschwerden beim CEDAW-Komitee gehalten.
- Wiener Netzwerk
Das Wiener Netzwerk gegen sexuelle Gewalt an Mädchen, Buben und Jugendlichen ist eine multiprofessionelle Plattform mit VertrerInnen von 20 spezialisierten Einrichtungen - sowohl öffentlicher Träger (Jugendwohlfahrt, Schule, Polizei) als auch privater Vereine und Initiativen und versteht sich als Multiplikator für ProfessionistInnen verschiedenster Berufsgruppen, Gesprächsforum und ExpertInnenpool für Diskussionen, Kongresse, Fortbildungen und gesellschaftliche Plattform für Öffentlichkeitsarbeit und Lobbying.
Jetzt neu: www.wienernetzwerk.at
Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser
A-1050 Wien · Bacherplatz 10/4 · Tel. +43 (0)1 5440820 · Fax +43 (0)1 5440820-24 · informationsstelle@aoef.at · www.aoef.at
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