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DAGONGMEI© Leni Kastl (31.12.08)
Arbeiterinnen aus Chinas Weltmarktfabriken erzählen
Seit den 90er Jahren migrieren in China Millionen junge Frauen vom Land in die Industriezonen, um dort in den Weltmarktfabriken zu arbeiten. Sie kommen als Teenager und kehren mit 25, von der Arbeit ausgelaugt, aufs Land zurück. Pun Ngai und Li Wanwei haben Dagongmei interviewt.
obbende kleine Schwester” bedeutet Dagongmei ungefähr übersetzt, ein Begriff, der sich in den letzten Jahrzehnten für eine neue Kategorie von Arbeitskräften herausgebildet hat: Junge Frauen, meist ohne weiterführende Ausbildung aus den Agrarregionen Chinas, die auf der Suche nach Arbeit in urbane Produktionszonen ziehen. Nun erfahren wir mehr von ihrem Leben und ihren Arbeitsbedingungen.
Das Buch, das auch von einer Fotoserie durchzogen ist mit Bildern von Dagongmei bei der Arbeit, in ihren Unterkünften und bei Alltagshandlungen, besteht aus zwei Teilen. Im ersten erfahren wir durch von Li Wanwei aufbereitete biografische Interviews über den Arbeitsalltag der Arbeiterinnen: Über ihre Ausgangssituation als junge Frauen in ländlichen Regionen mit nur eingeschränkten Perspektiven und oft auch arrangierten Ehen, den Wunsch, etwas zu erleben, die Welt zu sehen und eigenes Geld zu verdienen, über die ausbeuterischen Arbeits-, Wohn- und Lebensbedingungen in den Industriebetrieben und schließlich den Widerstand, den die Dagongmei gegen ihre Arbeitsbedingungen leisten. Sie kämpfen für weniger Überstunden und mehr Entlohnung, für Gesundheitsschutz, bessere Unterkunft und Verpflegung und sind dabei unterschiedlich erfolgreich, je nachdem wie es ihnen gelingt, in großen Gruppen Einigkeit zu erreichen.
Im zweiten Teil berichtet Pun Ngai von ihrer soziologischen Untersuchung, die sie, mit Wissen der Geschäftsleitung als Dagongmei beschäftigt, in teilnehmender Beobachtung durchführte. Sie beschreibt den alltäglichen Arbeitsablauf, die Vorschriften und Kontrollmechanismen, mit denen den arbeitenden Körpern - und meiner Meinung nach auch dem Geist - die Arbeitsleistung abgepresst wird. Es zeigt sich ein Wechselspiel an Arbeitsvorgaben und Widerstandsformen, die schon zum Teil des Produktionssystems wurden.
Für mich liegt der Gewinn an dem Buch in der Innensicht der Arbeitsbedingungen, wie die Arbeit von den Dagongmei selbst erlebt wird, während kritische westliche Berichterstattung die Produktionsweise nur von außen beleuchten kann und zu Recht die multinationalen Konzerne anprangert, die letztlich die Vorgaben für diese massive Ausbeutung legen. Weiters erfährt die Leserin auch einführende Infomationen über die chinesische Gesellschaft, das Bildungssystem und Arbeitsrecht - das, wenn es eingehalten würde, besser ist als das Österreichische - ist also auch eine gute Informationsquelle über ein Land, das nun mehr in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit geraten ist.
Umfassende Informationen zum Buch auf www.gongchao.org
 Pun Ngai und Li Wanwei Dagongmei Arbeiterinnen aus Chinas Weltmarktfabriken erzählen
Verlag Assoziation A, 2008 260 Seiten, broschiert €D 18,00 / €A 18,50 / sFr 32,90 ISBN: 978-3-935936-73-6
Buch bestellen (bei Berta - Bücher und Produkte, Graz)
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